SCHLOSS "BELLEVUE"
UMBAU ZUM FUNKTIONSGERECHTEN UND REPRÄSENTATIVEN AMTSSITZ DES BUNDESPRÄSIDENTEN
ANSICHT SPREEWEG
ANSICHT GARTENSEITE
OBJEKTBESCHREIBUNG
Das Schloß "Bellevue" wurde am Ende des 18. Jahrhunderts als Wohnschloß erbaut und dient dem Bundespräsidenten seit 1994 als erster Amts- und Wohnsitz in Berlin.
Das Schloß hat einen nach Süd-Osten offenen, u-förmigen Grundriß. Es gliedert sich in Mittelbau, Süd- und Nordflügel, sowie die dem Süd- bzw. Nordflügel vorgelagerten Wachhäuser.
Der Mittelbau ist vollunterkellert mit Erdgeschoß und Obergeschoß.
Die Holzdachkonstruktion über den weitgespannten Sälen wird durch Stahlbinder als Fachwerkträger oder Vollwandträger unterstützt, in den restlichen Bereichen kamen Kehlbalkenbinder zur Ausführung.
Süd- und Nordflügel sind teilunterkellert mit Erdgeschoß, Zwischen- und Obergeschoß.
Die Dächer über allen Bauteilen sind aus bauphysikalischer Sicht Kaltdächer, von der Form her Walmdächer und von der Konstruktion her Pfettendächer.
Am Gebäude wurden in der Vergangenheit mehrfach Umbauten und Nutzungsänderungen vorgenommen.
Von 1999 bis 2005 wurde das Schloß zum "funktionsgerechten und repräsentativen Amtsitz des Bundespräsidenten" umgebaut.
DARSTELLUNG DER BAUMASSNAHME
Die Baumaßnahme erfolgte in drei Bauphasen, die teilweise bei voller Aufrechterhaltung der Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten erfolgen mussten.
Baubegleitend erfolgte in allen Bauphasen eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Bausubstanz, die als Konstruktionsanalyse auf CD gespeichert, für spätere Umbau-maßnahmen zur Verfügung steht.
Zu den Bauphasen im Einzelnen:
1. Bauphase 1999 - 2001
Hauptbestandteil dieser Bauphase war der Umbau der Wachhäuser, insbesondere des Wachhauses-Süd und der anschließenden Hofdurchfahrt.
Hervorzuheben sind hierbei:
- Einbau einer "schwarzen Wanne" als Sohlplatte im Wachhaus-Süd
- Unterfangung der Kellerwände mit HDI-Injektion
- abschnittweises, nachträgliches Einbringen einer Horizontalsperre in die Kelleraußenwände
mittels Sägeschnittverfahren
- Abfangung der Decke über der Hofdurchfahrt mit einer Hilfskonstruktion aus Stich-, Quer- und Fußträgern, um die vorhandene Durchfahrt zu verbreitern bzw. eine weitere Durchfahrt
und einen Durchgang im Bereich der vorhandenen Garagen anordnen zu können
2. Bauphase 2002
In dieser Bauphase wurde der Nordflügel umgebaut, insbesondere die zum Garten gelegene Hälfte des Schlossflügels. Dieser Teil des Nordflügels war teilunterkellert und sollte eine Vollunterkellerung erhalten. Außerdem war das Treppenhaus zu verlegen und ein Aufzug einzubauen, der alle Geschossebenen anfahren sollte. Diese Baumaßnahmen machten eine Entkernung erforderlich, wobei aus Denkmalschutzgründen die vorhandenen Außenwände und die Holzdachkonstruktion erhalten bleiben sollten.
Hieraus resultierten folgende Baumaßnahmen:
- Abfangung der Holzdachkonstruktion mit Hilfe von Stahl-Fachwerkbindern
- Bauzeitliche Abstützung der Außenwände gegen Stahlfachwerk-"Böcke", die auf Einzel-
fundamenten und Großbohrpfählen aufgelagert waren
- Durchsteifung der Gurtung des "spreeseitigen" Baugrubenverbaus gegen den Mittelbau
- Unterfangung der Außenwandfundamente mit HDI-Injektionssäulen
- nachträgliche Horizontalsperre in Kelleraußenwände mittels Sägeschnittverfahren
- Entkernung des Gebäudeteils und Einbau des neuen Kellers als "weiße Wanne"
- Um das Setzungsverhalten bei dem sehr setzungsempfindlichen Boden zu vergleich- mäßigen, wurden die Außenwände zusätzlich zur HDI-Injektionsgründung über Konsolen aus HEB- und HEM-Profilen auf dem Rand der WU-Sohlplatte abgesetzt.
3. Bauphase 2003 - 2005
Bestandteil dieser Bauphase war der Umbau des Mittelbaus und des Südflügels.
Als wichtigste Baumaßnahmen dieser Umbauphase sind zu nennen:
- Tieferlegung der Sohlplatte und Einbau einer "schwarzen Wanne" im vorhandenen Keller
des Südflügels und Unterfangung der Kellerwandfundamente mit HDI-Injektion
- nachträgliches Einbringen einer Horizontalsperre
- nachträglicher Einbau von zwei Aufzügen, mit bauzeitlicher Stützenabfangung über der Nachfahrt bzw. Einbau einer "Edelstahl-Blechwanne" in der Aufzugsnachfahrt mit Anschluss
an die neue "schwarze Wanne" des Südflügel-Kellers
- Vergrößerung des vorhandenen Präsidentenaufzuges im Mittelbau im Bereich ehemaliger
Schornsteinzüge bzw. angrenzender, und deshalb zu verstärkender Stahlträger
- Aussteifung der Kehlbalkenebene der Kehlbalkenbinder im Dachgeschoss des Mittelbaus
durch nachträglichen Einbau von Stahlprofilrahmen mit Zugband
zurück